Saturday, January 14, 2006

Boas

Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?

Einleitend möchte ich einen kurzen biographischen Überblick über Franz Boas, einen der bedeutendsten US-Amerikanischen Anthropologen geben. Geborgen wurde er im September 1858 in Minden, Deutschland. Boas war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er absolvierte sein Studium an der Universität Heidelberg und erhielt 1899 einen Lehrstuhl an der Universität von Columbia. Boas starb 1942 in New York. [4]

Bereits in den 1890ern begann er seine Kritik am evolutionistischen Denken seiner Kollegen zu äußern:1896 wurde Boas Artikel „The Limitations of the Comparative Method“, in dem er gewisse evolutionistische Vorgehensarten kritisierte. [1]

Boas betrieb unter anderem Feldforschung bei den Inuit auf Baffin Island und hatte mehrmalige Aufenthalte – von insgesamt 29 Monaten – in der Küstengegend von Alaska-Kanada-Washington-Oregon.

Bis 1900 hatte er die zwei Ziele erreicht, die er sich bezüglich seiner Arbeit in den indigenen Siedlungsgebieten gesetzt hatte: zum einen bestimmte er Unterschiede und Beziehungen zwischen den hiesigen Sprachen, physischen Merkmalen und den sozialen Bräuchen der Indianer und zum anderen hatte er es geschafft die Kultur so zu beschreiben, wie sie den Kwakuitl-Indianern selbst erscheint.[2]

1902 wurde die American Anthropological Association (AAA), zu deren Mitbegründern auch Boas zählt ins Leben gerufen. Hier, aber auch an der Universität von Columbia förderte Boas den „four field approach“ der Anthropologie. Dieser beinhaltet folgende Richtungen: die archäologische, kulturelle, linguistische und die biologische Anthropologie. Mit diesen vier Methoden der Anthropologie können kulturelle Phänomene untersucht werden. [1]

Franz Boas gilt als der Begründer des Kulturrelativismus. Demnach sei „jede Kultur in erster Linie aus ihren eigenen kulturellen Konzepten heraus beschreibbar und verständlich. Dabei sei jeder Teilbereich des kulturellen Lebens – von Kunst und Sprache bis zu Umwelt und Technik – für das kulturelle Ganze wesentlich, die Normen und Wertvorstellungen hätten aber größeres Gewicht als der Rest“. [3]

Der Kulturrelativismus entstand als Reaktion auf den Rassismus, sowie den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts. Weiters gilt dieser Denkansatz des historischen Partikularismus, welcher besagt, dass auch die Geschichte jeder Kultur einzigartig ist und deshalb spezifisch untersucht werden muss. [5]

Es wird zwischen starkem und schwachem Kulturrelativismus unterschieden. Ersterer besagt, dass Kultur und kulturelle Prozesse aus sich selbst heraus zu verstehen sind, lässt aber Gemeinsamkeiten zu. Vertreter des starken Kulturrelativismus hingegen, gehen von der Individualität von Kultur aus und lassen keine Gemeinsamkeiten zu anderen zu. [1]

Nachstehend werde ich auf die Schüler Boas’ genauer eingehen, die er stark beeinflusste. Im Vorhinein ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass bei seinen Schülern zwischen zwei Generationen unterschieden wird: Die erste Generation war sehr historisch orientiert und die zweite Generation fokussierte sich auf kulturelle Integration und individuelle Enkulturation. In den 1930er Jahren gab es noch eine dritte, welche die beiden ersteren Richtungen vereinte/kombinierte.

Zur ersten Generation von Boas Schülern zählen: Lowie, Spier, Herskovits, Wissler und Speck [1]

Alfred Kroeber (1876 – 1960)

Kroeber arbeitete mit den historisch orientierten Boas’ischen Methoden an seinen Interessensgebieten, wie zum Beispiel kulturellen Formen, Zusammenhängen von so genannten „patterns“ und kultureller Kreativität. Die Veröffentlichung seines Werks „The Superorganic“, stiftete große Unruhen innerhalb der ersten Generation von Boas’ Schülern. Hier schrieb Kroeber über die absolute Unabhängigkeit kultureller Phänomene vom „Organischen“, welches Biologie, Psychologie und das Individuum selbst beinhaltet.

Nach Boas Tod zählte Kroeber zum unumstrittenen „grand old man of American anthropology“. [1]

Ein weiterer wichtiger Schüler der ersten Generation war:

Edward Sapir (1884-1939)

Sapir zählt zu den ersten die den Zusammenhang zwischen Anthropologie und Sprach erforschten. Sein besonderes Interesse galt der Beziehung zwischen Kultur und Individuum.

Gemeinsam mit seinem Schüler Whorf entwickelte er die Sapir-Whorf Hypothese, welche besagt, dass die semantische Struktur von unterschiedlichen Sprachen grundverschieden und somit Grundverschieden sei. Sie verändern sich unter anderem je nach Art und Weise der Wahrnehmung des Sprechers. Sprache beeinflusst also nicht nur unsere Gedanken sondern auch die Kultur. [1]

In den 1920er Jahren orientierte man sich eher an Boas psychologischen Ansätzen. Die zweite Schüler-Generation wurde von der Psychoanalyse und der Gestalt-Psychologie beeinflusst. Es entstand die „Culture and Personality School“.

Zur zweiten Generation gehören: Benedict, Mead, Hallowell, Kluckholm und Linton. Erstmals sind auch Frauen Teil dieser Gruppe.[1]

Eine Davon war:

Ruth Benedict (1887-1948)

Sie ist Mitbegründerin der Cultural and Personality Studies. Der Fokus ihrer Forschungen liegt auf der Beziehung zwischen Kultur und Individuum. Benedict wurde in dieser Hinsicht von Sapir beeinflusst. Jedoch legte er seinen Schwerpunkt auf die Einzelperson, während sie sich mehr auf die Kultur konzentrierte.[1]

Sie versuchte herauszufinden, wie Kultur individuelles Handeln beeinflusst. „Nach Benedict hat jede Kultur ihr „pattern of culture“ “(Kulturmuster),,es gibt aber nur eine beschränkte Anzahl von Kulturtypen.“ [5]

Viele VertreterInnen der „culture and personalitly school“ schrieben wärend des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der US-Regierung sogenannte „Nationalcharakter-Studien“ über ihre Kriegsgegner. Benedicts „zweitbekanntestes Werk, „Crysanthemum and the Sword“, ist eine in diesem Sinne angelegte Studie über die japanische Kultur“. [3]

Eine weitere „Grande-Game“ der Anthropologie war

Margaret Mead (1901-1978)

Sie war die erste Frau mit einer professionellen Dokumentation ihrer Feldforschung, die sie auf Samoa betrieben hatte. [Geschichte]

Außerdem forschte sie zu den Themen Pubertät und den kulturellen Verhaltensmustern des Erwachsenwerdens. Mead äußerte Kritik an der amerikanischen Kultur; anhand ihrer Feldforschungen hatte sie die Möglichkeit gehabt, die Werte der eigenen Gesellschaft durch Brille einer Fremden zu sehen.

Ihre Werke machte Mead nicht nur für das Fachpublikum sondern auch für die breite Masse zugänglich. [6]

Zu den Vertretern der dritten Generation gehören: Lewis, Mishkin, Richardson, und Lesser. Sie waren politisch engagierter als ihr Vorgänger. [1]

Ralph Linton (1893-1953)

Linton war Boas Nachfolger an der Universität von Columbia. Er orientierte sich an der „culture and personality school“ und organisierte ein Seminar mit einem Psychoanalytiker. Nun konnten auch Anthropologen anhand ihrer am Feld gesammelten psychologischen Daten selbst analysieren und Folgerungen über die beobachtete Kultur schließen.

Boas und viele seiner SchülerInnen gelten heute als die wichtigsten Vertreter der US-amerikanischen Anthropologie. Sie haben die nordamerikanische Anthropologie „nachhaltig verändert“. [4]


Verwendete Quellen:

Literatur:

[1] Parkin, Robert: The French Speaking Countries, in: Barth, Frederic, u.a.:One Discipline,
Four Ways: British, German, French and American Anthropologie, Chicago 2005

[2] Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology, Cambridge 2000

[3] Gingrich, Andre: Erkundungen – Themen der Ethnologischen Forschung, Wien 1999

Internet-Quellen

[4] http://de.wikipedia.org (letzter Zugriff: 13.01.2006)

[5] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/ (letzter Zugriff: 13.01.2006)

Weitere Quellen:

[6] Vorlesung: Einführung in die Geschichte der Kultur und Sozialanthropologie,
Prof. Gingrich, am 09.11.2005

[7] Tutorium zur VO Einführung in die Geschichte der KSA,

Daniela Digruber und Andrea Ben Lassoued, am 09.12.2005

Friday, January 13, 2006

cfgf

Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?

Einleitend möchte ich einen kurzen biographischen Überblick über Franz Boas, einen der bedeutendsten US-Amerikanischen Anthropologen geben. Geborgen wurde er im September 1858 in Minden, Deutschland. Boas war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er absolvierte sein Studium an der Universität Heidelberg und erhielt 1899 einen Lehrstuhl an der Universität von Columbia. Boas starb 1942 in New York. [4]

Bereits in den 1890ern begann er seine Kritik am evolutionistischen Denken seiner Kollegen zu äußern:1896 wurde Boas Artikel „The Limitations of the Comparative Method“, in dem er gewisse evolutionistische Vorgehensarten kritisierte. [1]

Boas betrieb unter anderem Feldforschung bei den Inuit auf Baffin Island und hatte mehrmalige Aufenthalte – von insgesamt 29 Monaten – in der Küstengegend von Alaska-Kanada-Washington-Oregon.

Bis 1900 hatte er die zwei Ziele erreicht, die er sich bezüglich seiner Arbeit in den indigenen Siedlungsgebieten gesetzt hatte: zum einen bestimmte er Unterschiede und Beziehungen zwischen den hiesigen Sprachen, physischen Merkmalen und den sozialen Bräuchen der Indianer und zum anderen hatte er es geschafft die Kultur so zu beschreiben, wie sie den Kwakuitl-Indianern selbst erscheint.[2]

1902 wurde die American Anthropological Association (AAA), zu deren Mitbegründern auch Boas zählt ins Leben gerufen. Hier, aber auch an der Universität von Columbia förderte Boas den „four field approach“ der Anthropologie. Dieser beinhaltet folgende Richtungen: die archäologische, kulturelle, linguistische und die biologische Anthropologie. Mit diesen vier Methoden der Anthropologie können kulturelle Phänomene untersucht werden. [1]

Franz Boas gilt als der Begründer des Kulturrelativismus. Demnach sei „jede Kultur in erster Linie aus ihren eigenen kulturellen Konzepten heraus beschreibbar und verständlich. Dabei sei jeder Teilbereich des kulturellen Lebens – von Kunst und Sprache bis zu Umwelt und Technik – für das kulturelle Ganze wesentlich, die Normen und Wertvorstellungen hätten aber größeres Gewicht als der Rest“. [3]

Der Kulturrelativismus entstand als Reaktion auf den Rassismus, sowie den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts. Weiters gilt dieser Denkansatz des historischen Partikularismus, welcher besagt, dass auch die Geschichte jeder Kultur einzigartig ist und deshalb spezifisch untersucht werden muss. [5]

Es wird zwischen starkem und schwachem Kulturrelativismus unterschieden. Ersterer besagt, dass Kultur und kulturelle Prozesse aus sich selbst heraus zu verstehen sind, lässt aber Gemeinsamkeiten zu. Vertreter des starken Kulturrelativismus hingegen, gehen von der Individualität von Kultur aus und lassen keine Gemeinsamkeiten zu anderen zu. [1]

Nachstehend werde ich auf die Schüler Boas’ genauer eingehen, die er stark beeinflusste. Im Vorhinein ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass bei seinen Schülern zwischen zwei Generationen unterschieden wird: Die erste Generation war sehr historisch orientiert und die zweite Generation fokussierte sich auf kulturelle Integration und individuelle Enkulturation. In den 1930er Jahren gab es noch eine dritte, welche die beiden ersteren Richtungen vereinte/kombinierte.

Zur ersten Generation von Boas Schülern zählen: Lowie, Spier, Herskovits, Wissler und Speck [1]

Alfred Kroeber (1876 – 1960)

Kroeber arbeitete mit den historisch orientierten Boas’ischen Methoden an seinen Interessensgebieten, wie zum Beispiel kulturellen Formen, Zusammenhängen von so genannten „patterns“ und kultureller Kreativität. Die Veröffentlichung seines Werks „The Superorganic“, stiftete große Unruhen innerhalb der ersten Generation von Boas’ Schülern. Hier schrieb Kroeber über die absolute Unabhängigkeit kultureller Phänomene vom „Organischen“, welches Biologie, Psychologie und das Individuum selbst beinhaltet.

Nach Boas Tod zählte Kroeber zum unumstrittenen „grand old man of American anthropology“. [1]

Ein weiterer wichtiger Schüler der ersten Generation war:

Edward Sapir (1884-1939)

Sapir zählt zu den ersten die den Zusammenhang zwischen Anthropologie und Sprach erforschten. Sein besonderes Interesse galt der Beziehung zwischen Kultur und Individuum.

Gemeinsam mit seinem Schüler Whorf entwickelte er die Sapir-Whorf Hypothese, welche besagt, dass die semantische Struktur von unterschiedlichen Sprachen grundverschieden und somit Grundverschieden sei. Sie verändern sich unter anderem je nach Art und Weise der Wahrnehmung des Sprechers. Sprache beeinflusst also nicht nur unsere Gedanken sondern auch die Kultur. [1]

In den 1920er Jahren orientierte man sich eher an Boas psychologischen Ansätzen. Die zweite Schüler-Generation wurde von der Psychoanalyse und der Gestalt-Psychologie beeinflusst. Es entstand die „Culture and Personality School“.

Zur zweiten Generation gehören: Benedict, Mead, Hallowell, Kluckholm und Linton. Erstmals sind auch Frauen Teil dieser Gruppe.[1]

Eine Davon war:

Ruth Benedict (1887-1948)

Sie ist Mitbegründerin der Cultural and Personality Studies. Der Fokus ihrer Forschungen liegt auf der Beziehung zwischen Kultur und Individuum. Benedict wurde in dieser Hinsicht von Sapir beeinflusst. Jedoch legte er seinen Schwerpunkt auf die Einzelperson, während sie sich mehr auf die Kultur konzentrierte.[1]

Sie versuchte herauszufinden, wie Kultur individuelles Handeln beeinflusst. „Nach Benedict hat jede Kultur ihr „pattern of culture“ “(Kulturmuster),,es gibt aber nur eine beschränkte Anzahl von Kulturtypen.“ [5]

Viele VertreterInnen der „culture and personalitly school“ schrieben wärend des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der US-Regierung sogenannte „Nationalcharakter-Studien“ über ihre Kriegsgegner. Benedicts „zweitbekanntestes Werk, „Crysanthemum and the Sword“, ist eine in diesem Sinne angelegte Studie über die japanische Kultur“. [3]

Eine weitere „Grande-Game“ der Anthropologie war

Margaret Mead (1901-1978)

Sie war die erste Frau mit einer professionellen Dokumentation ihrer Feldforschung, die sie auf Samoa betrieben hatte. [Geschichte]

Außerdem forschte sie zu den Themen Pubertät und den kulturellen Verhaltensmustern des Erwachsenwerdens. Mead äußerte Kritik an der amerikanischen Kultur; anhand ihrer Feldforschungen hatte sie die Möglichkeit gehabt, die Werte der eigenen Gesellschaft durch Brille einer Fremden zu sehen.

Ihre Werke machte Mead nicht nur für das Fachpublikum sondern auch für die breite Masse zugänglich. [6]

Zu den Vertretern der dritten Generation gehören: Lewis, Mishkin, Richardson, und Lesser. Sie waren politisch engagierter als ihr Vorgänger. [1]

Ralph Linton (1893-1953)

Linton war Boas Nachfolger an der Universität von Columbia. Er orientierte sich an der „culture and personality school“ und organisierte ein Seminar mit einem Psychoanalytiker. Nun konnten auch Anthropologen anhand ihrer am Feld gesammelten psychologischen Daten selbst analysieren und Folgerungen über die beobachtete Kultur schließen.

Boas und viele seiner SchülerInnen gelten heute als die wichtigsten Vertreter der US-amerikanischen Anthropologie. Sie haben die nordamerikanische Anthropologie „nachhaltig verändert“. [4]


Verwendete Quellen:

Literatur:

[1] Parkin, Robert: The French Speaking Countries, in: Barth, Frederic, u.a.:One Discipline,
Four Ways: British, German, French and American Anthropologie, Chicago 2005

[2] Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology, Cambridge 2000

[3] Gingrich, Andre: Erkundungen – Themen der Ethnologischen Forschung, Wien 1999

Internet-Quellen

[4] http://de.wikipedia.org (letzter Zugriff: 13.01.2006)

[5] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/ (letzter Zugriff: 13.01.2006)

Weitere Quellen:

[6] Vorlesung: Einführung in die Geschichte der Kultur und Sozialanthropologie,
Prof. Gingrich, am 09.11.2005

[7] Tutorium zur VO Einführung in die Geschichte der KSA,

Daniela Digruber und Andrea Ben Lassoued, am 09.12.2005

boas

Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?

Einleitend möchte ich einen kurzen biographischen Überblick über Franz Boas, einen der bedeutendsten US-Amerikanischen Anthropologen geben. Geborgen wurde er im September 1858 in Minden, Deutschland. Boas war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er absolvierte sein Studium an der Universität Heidelberg und erhielt 1899 einen Lehrstuhl an der Universität von Columbia. Boas starb 1942 in New York. [4]

Bereits in den 1890ern begann er seine Kritik am evolutionistischen Denken seiner Kollegen zu äußern:1896 wurde Boas Artikel „The Limitations of the Comparative Method“, in dem er gewisse evolutionistische Vorgehensarten kritisierte. [1]

Boas betrieb unter anderem Feldforschung bei den Inuit auf Baffin Island und hatte mehrmalige Aufenthalte – von insgesamt 29 Monaten – in der Küstengegend von Alaska-Kanada-Washington-Oregon.

Bis 1900 hatte er die zwei Ziele erreicht, die er sich bezüglich seiner Arbeit in den indigenen Siedlungsgebieten gesetzt hatte: zum einen bestimmte er Unterschiede und Beziehungen zwischen den hiesigen Sprachen, physischen Merkmalen und den sozialen Bräuchen der Indianer und zum anderen hatte er es geschafft die Kultur so zu beschreiben, wie sie den Kwakuitl-Indianern selbst erscheint.[2]

1902 wurde die American Anthropological Association (AAA), zu deren Mitbegründern auch Boas zählt ins Leben gerufen. Hier, aber auch an der Universität von Columbia förderte Boas den „four field approach“ der Anthropologie. Dieser beinhaltet folgende Richtungen: die archäologische, kulturelle, linguistische und die biologische Anthropologie. Mit diesen vier Methoden der Anthropologie können kulturelle Phänomene untersucht werden. [1]

Franz Boas gilt als der Begründer des Kulturrelativismus. Demnach sei „jede Kultur in erster Linie aus ihren eigenen kulturellen Konzepten heraus beschreibbar und verständlich. Dabei sei jeder Teilbereich des kulturellen Lebens – von Kunst und Sprache bis zu Umwelt und Technik – für das kulturelle Ganze wesentlich, die Normen und Wertvorstellungen hätten aber größeres Gewicht als der Rest“. [3]

Der Kulturrelativismus entstand als Reaktion auf den Rassismus, sowie den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts. Weiters gilt dieser Denkansatz des historischen Partikularismus, welcher besagt, dass auch die Geschichte jeder Kultur einzigartig ist und deshalb spezifisch untersucht werden muss. [5]

Es wird zwischen starkem und schwachem Kulturrelativismus unterschieden. Ersterer besagt, dass Kultur und kulturelle Prozesse aus sich selbst heraus zu verstehen sind, lässt aber Gemeinsamkeiten zu. Vertreter des starken Kulturrelativismus hingegen, gehen von der Individualität von Kultur aus und lassen keine Gemeinsamkeiten zu anderen zu. [1]

Nachstehend werde ich auf die Schüler Boas’ genauer eingehen, die er stark beeinflusste. Im Vorhinein ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass bei seinen Schülern zwischen zwei Generationen unterschieden wird: Die erste Generation war sehr historisch orientiert und die zweite Generation fokussierte sich auf kulturelle Integration und individuelle Enkulturation. In den 1930er Jahren gab es noch eine dritte, welche die beiden ersteren Richtungen vereinte/kombinierte.

Zur ersten Generation von Boas Schülern zählen: Lowie, Spier, Herskovits, Wissler und Speck [1]

Alfred Kroeber (1876 – 1960)

Kroeber arbeitete mit den historisch orientierten Boas’ischen Methoden an seinen Interessensgebieten, wie zum Beispiel kulturellen Formen, Zusammenhängen von so genannten „patterns“ und kultureller Kreativität. Die Veröffentlichung seines Werks „The Superorganic“, stiftete große Unruhen innerhalb der ersten Generation von Boas’ Schülern. Hier schrieb Kroeber über die absolute Unabhängigkeit kultureller Phänomene vom „Organischen“, welches Biologie, Psychologie und das Individuum selbst beinhaltet.

Nach Boas Tod zählte Kroeber zum unumstrittenen „grand old man of American anthropology“. [1]

Ein weiterer wichtiger Schüler der ersten Generation war:

Edward Sapir (1884-1939)

Sapir zählt zu den ersten die den Zusammenhang zwischen Anthropologie und Sprach erforschten. Sein besonderes Interesse galt der Beziehung zwischen Kultur und Individuum.

Gemeinsam mit seinem Schüler Whorf entwickelte er die Sapir-Whorf Hypothese, welche besagt, dass die semantische Struktur von unterschiedlichen Sprachen grundverschieden und somit Grundverschieden sei. Sie verändern sich unter anderem je nach Art und Weise der Wahrnehmung des Sprechers. Sprache beeinflusst also nicht nur unsere Gedanken sondern auch die Kultur. [1]

In den 1920er Jahren orientierte man sich eher an Boas psychologischen Ansätzen. Die zweite Schüler-Generation wurde von der Psychoanalyse und der Gestalt-Psychologie beeinflusst. Es entstand die „Culture and Personality School“.

Zur zweiten Generation gehören: Benedict, Mead, Hallowell, Kluckholm und Linton. Erstmals sind auch Frauen Teil dieser Gruppe.[1]

Eine Davon war:

Ruth Benedict (1887-1948)

Sie ist Mitbegründerin der Cultural and Personality Studies. Der Fokus ihrer Forschungen liegt auf der Beziehung zwischen Kultur und Individuum. Benedict wurde in dieser Hinsicht von Sapir beeinflusst. Jedoch legte er seinen Schwerpunkt auf die Einzelperson, während sie sich mehr auf die Kultur konzentrierte.[1]

Sie versuchte herauszufinden, wie Kultur individuelles Handeln beeinflusst. „Nach Benedict hat jede Kultur ihr „pattern of culture“ “(Kulturmuster),,es gibt aber nur eine beschränkte Anzahl von Kulturtypen.“ [5]

Viele VertreterInnen der „culture and personalitly school“ schrieben wärend des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der US-Regierung sogenannte „Nationalcharakter-Studien“ über ihre Kriegsgegner. Benedicts „zweitbekanntestes Werk, „Crysanthemum and the Sword“, ist eine in diesem Sinne angelegte Studie über die japanische Kultur“. [3]

Eine weitere „Grande-Game“ der Anthropologie war

Margaret Mead (1901-1978)

Sie war die erste Frau mit einer professionellen Dokumentation ihrer Feldforschung, die sie auf Samoa betrieben hatte. [Geschichte]

Außerdem forschte sie zu den Themen Pubertät und den kulturellen Verhaltensmustern des Erwachsenwerdens. Mead äußerte Kritik an der amerikanischen Kultur; anhand ihrer Feldforschungen hatte sie die Möglichkeit gehabt, die Werte der eigenen Gesellschaft durch Brille einer Fremden zu sehen.

Ihre Werke machte Mead nicht nur für das Fachpublikum sondern auch für die breite Masse zugänglich. [6]

Zu den Vertretern der dritten Generation gehören: Lewis, Mishkin, Richardson, und Lesser. Sie waren politisch engagierter als ihr Vorgänger. [1]

Ralph Linton (1893-1953)

Linton war Boas Nachfolger an der Universität von Columbia. Er orientierte sich an der „culture and personality school“ und organisierte ein Seminar mit einem Psychoanalytiker. Nun konnten auch Anthropologen anhand ihrer am Feld gesammelten psychologischen Daten selbst analysieren und Folgerungen über die beobachtete Kultur schließen.

Boas und viele seiner SchülerInnen gelten heute als die wichtigsten Vertreter der US-amerikanischen Anthropologie. Sie haben die nordamerikanische Anthropologie „nachhaltig verändert“. [4]


Verwendete Quellen:

Literatur:

[1] Parkin, Robert: The French Speaking Countries, in: Barth, Frederic, u.a.:One Discipline,
Four Ways: British, German, French and American Anthropologie, Chicago 2005

[2] Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology, Cambridge 2000

[3] Gingrich, Andre: Erkundungen – Themen der Ethnologischen Forschung, Wien 1999

Internet-Quellen

[4] http://de.wikipedia.org (letzter Zugriff: 13.01.2006)

[5] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/ (letzter Zugriff: 13.01.2006)

Weitere Quellen:

[6] Vorlesung: Einführung in die Geschichte der Kultur und Sozialanthropologie,
Prof. Gingrich, am 09.11.2005

[7] Tutorium zur VO Einführung in die Geschichte der KSA,

Daniela Digruber und Andrea Ben Lassoued, am 09.12.2005

blabla

Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?

Einleitend möchte ich einen kurzen biographischen Überblick über Franz Boas, einen der bedeutendsten US-Amerikanischen Anthropologen geben. Geborgen wurde er im September 1858 in Minden, Deutschland. Boas war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Er absolvierte sein Studium an der Universität Heidelberg und erhielt 1899 einen Lehrstuhl an der Universität von Columbia. Boas starb 1942 in New York. [4]

Bereits in den 1890ern begann er seine Kritik am evolutionistischen Denken seiner Kollegen zu äußern:1896 wurde Boas Artikel „The Limitations of the Comparative Method“, in dem er gewisse evolutionistische Vorgehensarten kritisierte. [1]

Boas betrieb unter anderem Feldforschung bei den Inuit auf Baffin Island und hatte mehrmalige Aufenthalte – von insgesamt 29 Monaten – in der Küstengegend von Alaska-Kanada-Washington-Oregon.

Bis 1900 hatte er die zwei Ziele erreicht, die er sich bezüglich seiner Arbeit in den indigenen Siedlungsgebieten gesetzt hatte: zum einen bestimmte er Unterschiede und Beziehungen zwischen den hiesigen Sprachen, physischen Merkmalen und den sozialen Bräuchen der Indianer und zum anderen hatte er es geschafft die Kultur so zu beschreiben, wie sie den Kwakuitl-Indianern selbst erscheint.[2]

1902 wurde die American Anthropological Association (AAA), zu deren Mitbegründern auch Boas zählt ins Leben gerufen. Hier, aber auch an der Universität von Columbia förderte Boas den „four field approach“ der Anthropologie. Dieser beinhaltet folgende Richtungen: die archäologische, kulturelle, linguistische und die biologische Anthropologie. Mit diesen vier Methoden der Anthropologie können kulturelle Phänomene untersucht werden. [1]

Franz Boas gilt als der Begründer des Kulturrelativismus. Demnach sei „jede Kultur in erster Linie aus ihren eigenen kulturellen Konzepten heraus beschreibbar und verständlich. Dabei sei jeder Teilbereich des kulturellen Lebens – von Kunst und Sprache bis zu Umwelt und Technik – für das kulturelle Ganze wesentlich, die Normen und Wertvorstellungen hätten aber größeres Gewicht als der Rest“. [3]

Der Kulturrelativismus entstand als Reaktion auf den Rassismus, sowie den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts. Weiters gilt dieser Denkansatz des historischen Partikularismus, welcher besagt, dass auch die Geschichte jeder Kultur einzigartig ist und deshalb spezifisch untersucht werden muss. [5]

Es wird zwischen starkem und schwachem Kulturrelativismus unterschieden. Ersterer besagt, dass Kultur und kulturelle Prozesse aus sich selbst heraus zu verstehen sind, lässt aber Gemeinsamkeiten zu. Vertreter des starken Kulturrelativismus hingegen, gehen von der Individualität von Kultur aus und lassen keine Gemeinsamkeiten zu anderen zu. [1]

Nachstehend werde ich auf die Schüler Boas’ genauer eingehen, die er stark beeinflusste. Im Vorhinein ist es jedoch wichtig zu erwähnen, dass bei seinen Schülern zwischen zwei Generationen unterschieden wird: Die erste Generation war sehr historisch orientiert und die zweite Generation fokussierte sich auf kulturelle Integration und individuelle Enkulturation. In den 1930er Jahren gab es noch eine dritte, welche die beiden ersteren Richtungen vereinte/kombinierte.

Zur ersten Generation von Boas Schülern zählen: Lowie, Spier, Herskovits, Wissler und Speck [1]

Alfred Kroeber (1876 – 1960)

Kroeber arbeitete mit den historisch orientierten Boas’ischen Methoden an seinen Interessensgebieten, wie zum Beispiel kulturellen Formen, Zusammenhängen von so genannten „patterns“ und kultureller Kreativität. Die Veröffentlichung seines Werks „The Superorganic“, stiftete große Unruhen innerhalb der ersten Generation von Boas’ Schülern. Hier schrieb Kroeber über die absolute Unabhängigkeit kultureller Phänomene vom „Organischen“, welches Biologie, Psychologie und das Individuum selbst beinhaltet.

Nach Boas Tod zählte Kroeber zum unumstrittenen „grand old man of American anthropology“. [1]

Ein weiterer wichtiger Schüler der ersten Generation war:

Edward Sapir (1884-1939)

Sapir zählt zu den ersten die den Zusammenhang zwischen Anthropologie und Sprach erforschten. Sein besonderes Interesse galt der Beziehung zwischen Kultur und Individuum.

Gemeinsam mit seinem Schüler Whorf entwickelte er die Sapir-Whorf Hypothese, welche besagt, dass die semantische Struktur von unterschiedlichen Sprachen grundverschieden und somit Grundverschieden sei. Sie verändern sich unter anderem je nach Art und Weise der Wahrnehmung des Sprechers. Sprache beeinflusst also nicht nur unsere Gedanken sondern auch die Kultur. [1]

In den 1920er Jahren orientierte man sich eher an Boas psychologischen Ansätzen. Die zweite Schüler-Generation wurde von der Psychoanalyse und der Gestalt-Psychologie beeinflusst. Es entstand die „Culture and Personality School“.

Zur zweiten Generation gehören: Benedict, Mead, Hallowell, Kluckholm und Linton. Erstmals sind auch Frauen Teil dieser Gruppe.[1]

Eine Davon war:

Ruth Benedict (1887-1948)

Sie ist Mitbegründerin der Cultural and Personality Studies. Der Fokus ihrer Forschungen liegt auf der Beziehung zwischen Kultur und Individuum. Benedict wurde in dieser Hinsicht von Sapir beeinflusst. Jedoch legte er seinen Schwerpunkt auf die Einzelperson, während sie sich mehr auf die Kultur konzentrierte.[1]

Sie versuchte herauszufinden, wie Kultur individuelles Handeln beeinflusst. „Nach Benedict hat jede Kultur ihr „pattern of culture“ “(Kulturmuster),,es gibt aber nur eine beschränkte Anzahl von Kulturtypen.“ [5]

Viele VertreterInnen der „culture and personalitly school“ schrieben wärend des Zweiten Weltkrieges im Auftrag der US-Regierung sogenannte „Nationalcharakter-Studien“ über ihre Kriegsgegner. Benedicts „zweitbekanntestes Werk, „Crysanthemum and the Sword“, ist eine in diesem Sinne angelegte Studie über die japanische Kultur“. [3]

Eine weitere „Grande-Game“ der Anthropologie war

Margaret Mead (1901-1978)

Sie war die erste Frau mit einer professionellen Dokumentation ihrer Feldforschung, die sie auf Samoa betrieben hatte. [Geschichte]

Außerdem forschte sie zu den Themen Pubertät und den kulturellen Verhaltensmustern des Erwachsenwerdens. Mead äußerte Kritik an der amerikanischen Kultur; anhand ihrer Feldforschungen hatte sie die Möglichkeit gehabt, die Werte der eigenen Gesellschaft durch Brille einer Fremden zu sehen.

Ihre Werke machte Mead nicht nur für das Fachpublikum sondern auch für die breite Masse zugänglich. [6]

Zu den Vertretern der dritten Generation gehören: Lewis, Mishkin, Richardson, und Lesser. Sie waren politisch engagierter als ihr Vorgänger. [1]

Ralph Linton (1893-1953)

Linton war Boas Nachfolger an der Universität von Columbia. Er orientierte sich an der „culture and personality school“ und organisierte ein Seminar mit einem Psychoanalytiker. Nun konnten auch Anthropologen anhand ihrer am Feld gesammelten psychologischen Daten selbst analysieren und Folgerungen über die beobachtete Kultur schließen.

Boas und viele seiner SchülerInnen gelten heute als die wichtigsten Vertreter der US-amerikanischen Anthropologie. Sie haben die nordamerikanische Anthropologie „nachhaltig verändert“. [4]


Verwendete Quellen:

Literatur:

[1] Parkin, Robert: The French Speaking Countries, in: Barth, Frederic, u.a.:One Discipline,
Four Ways: British, German, French and American Anthropologie, Chicago 2005

[2] Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology, Cambridge 2000

[3] Gingrich, Andre: Erkundungen – Themen der Ethnologischen Forschung, Wien 1999

Internet-Quellen

[4] http://de.wikipedia.org (letzter Zugriff: 13.01.2006)

[5] http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~tkirrste/ (letzter Zugriff: 13.01.2006)

Weitere Quellen:

[6] Vorlesung: Einführung in die Geschichte der Kultur und Sozialanthropologie,
Prof. Gingrich, am 09.11.2005

[7] Tutorium zur VO Einführung in die Geschichte der KSA,

Daniela Digruber und Andrea Ben Lassoued, am 09.12.2005